Martin Jäger ist Chef einer Firma für Baudenkmalpflege historischer Gebäude und gleichzeitig Körper-Geist-Trainer. | Bild: Website Jako Baudenkmalpflege

Interviews Authentizität
„Ich übe mich jeden Tag darin, der zu sein, der ich bin!“

Martin Jäger ist Chef einer Firma für Baudenkmalpflege historischer Gebäude und gleichzeitig Körper-Geist-Trainer. | Bild: Website Jako Baudenkmalpflege

10 Aug 2020

Er trainiert Spitzensportler und Topunternehmer:
Martin Jäger ist Chef einer Firma für die Baudenkmalpflege historischer Gebäude und gleichzeitig Körper-Geist-Trainer. Sein Lebensmotto: Trau dich der zu sein, der du bist! Aber wie geht das?

Julika Olpp

Crossmedia-Redaktion/ Public Realtions
seit Sommersemester 2019
GesellschaftKultur

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Martin, du hast zwei Berufe. Arbeitest du viel?

Ich arbeite fast gar nicht.

Wie meinst du das?

Für mich ist es tatsächlich so, dass der Beruf etwas ist, das nichts mit Arbeit zu tun hat. Weil Arbeit für mich so mit Anstrengung verbunden ist. Meine beiden Berufe sind für mich Tätigkeiten, bei denen ich die Möglichkeit habe, mich auszudrücken. Berufung sozusagen.

Was soll ein Beruf also deiner Meinung nach erfüllen?

Ein Beruf soll in erster Linie wirklich etwas sein, das unheimlich Freude bereitet. Es ist auch etwas, bei dem man Freiheit leben kann. Und was ich auch noch cool finde, ist die Community, das heißt neben der Freude und der Freiheit, die Begegnung mit den Menschen.

Und was machst du, wenn mal Stress aufkommt?

Mit gutem Gewissen Nein sagen! Denn wenn unsere Batterien nicht voll sind, dann funktioniert das ganze System nicht mehr. 

"Haben wir selbst keine Kraft, dann können wir auch für die Menschen um uns herum nichts Gutes tun.“ – Martin Jäger

Vor 20 Jahren hat Martin damit begonnen, zu meditieren. Auslöser dafür war die Begegnung mit dem Zen-Meister Hinnerk Polenski, den er bei einem Seminar für Führungskräfte kennenlernte. Zunächst hat Martin mit niemandem darüber gesprochen – bis Mitarbeiter und befreundete Unternehmer eine Veränderung bei ihm feststellten. „Du wirkst immer sehr gelassen, wie machst du das eigentlich?“, sei er gefragt worden. Viele wollten das auch ausprobieren, erzählt er und so habe ihn die persönliche Meditationpraxis zur Entwicklung eines eigenen Trainingsprogramms inspiriert. Zusammen mit Manuel Binninger, der aus dem Profisport kommt, hat Martin dies in einem eigenen Unternehmen verwirklicht und neben seiner Tätigkeit in der Baudenkmalpflege etabliert.

Wie funktioniert das Körper-Geist-Training?

Es wird in gleichem Maße sowohl der Körper als auch der Geist trainiert. Das Zusammenspiel aus sportlichen Einheiten und Meditation ermöglicht es dabei, diese in Einklang und Balance zu bringen.

Welches Ziel steht dahinter und was ist das Besondere an diesem Training?

Das Ziel ist, dass man sich traut, der zu sein, der man ist – also authentisch zu sein, in jeder Situation des Lebens.
Man bringt dadurch die PS, also seine eigenen Potenziale, auf die Straße. Ich sag immer, das Körper-Geist-Training ist die Schwäbische Variante, um bei mir anzukommen. Ich muss jetzt nicht 25 Jahre dafür studieren oder tausend Dinge jeden Tag machen. Das Tolle an diesem didaktischen Training ist, dass das wirklich jeder für sich eröffnen kann. Am Ende ist es insgesamt die Lebensqualität, die gehaltvoller wird. Momente werden unglaublich kostbar.

Was kann einen daran hindern authentisch zu leben? 

Dass man sich selbst bewertet, schämt und versteckt. Dieser ganze Bewertungsscheiß – totaler Quatsch. Das größte Hindernis ist ein starres und festes Selbstbild. Das, was Menschen unglücklich macht ist, dass sie an ihren Bildern festhalten. Das Leben selber aber ist nichts starres, sondern ein Fluss und es ist so geil, diesen Fluss zu spüren.

Gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Bernd und Karlheinz Jäger, führt Martin eine Firma zur Baudenkmalpflege in Rot an der Rot. | Bild: Website Jako Baudenkmalpflege
Die Arbeitsbereiche reichen von Gesamtrestaurierungen über Schadenskartierungen bis hin zu Wartungskonzepten. | Bild: Website Jako Baudenkmalpflege
| Bild: Website Jako Baudenkmalpflege
Dieses Doppelwohnhaus auf der Schwäbischen Alb wurde in Einzelteilen von Martins Firma restauriert und wieder aufgebaut. | Bild: Website Jako Baudenkmalpflege
In der zweiten Firma trainiert Martin mit Geschäftspartner Manuel Binninger alle, die sich auf den Weg zu sich selbst machen möchten. | Bild: derWeg
Ziel ist es, Körper und Geist in Einklang und Balance zu bringen. Der Geist wird durch die Mediation trainiert. | Bild: derWeg
Die körperliche Ebene wird durch sportlichen Übungen in Verbindung mit Qi Gong, einer chinesischen Konzentrations- und Bewegungsform, trainiert. | Bild: derWeg
Martin ist mit seinen beiden Unternehmen vielfältig aufgestellt und gibt sein gewonnenes Wissen mit Freude weiter. | Bild: derWeg

Auf den ersten Blick arbeitet Martin also in zwei völlig unterschiedlichen Berufen. Er selbst aber unterscheidet nicht zwischen Beruf eins und zwei, überhaupt nicht mehr zwischen Beruf, Familie und Freizeit.

„Überall wo ich bin, hab ich die Möglichkeit, im gegenwärtigen Moment zu sein und mich als Person auszudrücken.“  – Martin Jäger

Wenn du dein berufliches Leben in einem Bild beschreiben solltest, wie sähe das aus?

Wie wenn man auf einer Welle surft. Ich stehe quasi mit dem Surfbrett drauf und da ist ganz viel blau und die Sonne scheint. Es ist richtig gute Luft, ich spüre den Wind, habe dabei ein Gefühl der Freiheit!

Das Surfbrett, das dich trägt, ist die Verbundenheit zu dir selbst und zum gegenwärtigen Moment. Gibt es auch einen Verbindungspunkt zwischen deinen beiden Berufen?

Es geht beides Mal um die Menschen. In der Baudenkmalpflege kommen Mensch und historisches Gebäude zusammen. Eine prägnante Erfahrung ist es immer wieder, in die Vergangenheit einzutauchen und dort zu spüren, zu erfassen, was da war und hieraus dann die Zukunft zu gestalten. Beim Köper-Geist-Training geht es ebenso darum, aus der Vergangenheit zu lernen und die Zukunft zu gestalten, dies immer wieder aus dem gegenwärtigen Moment heraus. Für mich ist das, was ich in der Baudenkmalpflege mache, sozusagen die Bezeugung dessen, was ich in der Mediation trainiere. Ich habe durch die beiden Berufe die großartige Möglichkeit, das, was ich bin und wer ich bin, jeden Tag zu bezeugen und zu leben.

Was ist das größte Vorurteil, dem du begegnest und was erwiderst du darauf?

Dass Meditation so bissl freaky und spuky ist. Oder es kommen oft Sprüche wie: Was machst jetzt du da wieder? Du musst aufpassen, die sind bestimmt alle in ner Sekte. Ich bin da aber voll entspannt. Das Körper-Geist-Training ist ja nur ein Tool hin zu dieser Lebensqualität, von der ich gesprochen habe und wenn das nicht passt, dann ist das nicht schlimm. Es gibt tatsächlich Menschen, die brauchen dieses ganze spirituelle Gedöns gar nicht, die gehen durchs Leben und es passt. Und das mein ich ganz im Ernst, es braucht nicht jeder diesen Weg zu gehen, um glücklich zu sein.

Wie fühlt sich dein Leben in Beruf und Alltag an?

Großartig und es wird immer besser, je älter ich werde. Es ist so eine Mischung aus auf- dem-Surfbrett-stehen und die-Welle-surfen und gleichzeitig wie wenn ich in einer warmen Badewanne liege. Ist einfach so ein Gefühl von: Ich bin da.