Bäume sollen abgeholzt werden, um Platz für die kommende Autobahn zu schaffen. | Bild: Mara Süßmann

edit.Challenge Umweltaktivismus
Hambacher Forst 2.0

Bäume sollen abgeholzt werden, um Platz für die kommende Autobahn zu schaffen. | Bild: Mara Süßmann

11 Dec 2019

Kaffee aus dem Mehrwegbecher trinken, mit der Bahn herumfahren (und optimalerweise ankommen), beim Klimastreik mitlaufen – so weit geht unser studentischer Aktivismus. Danach aber wieder nach Hause ins Warme. Doch wer ist bereit, für den Schutz der Natur extremere Schritte zu gehen? Aktivisten übernachten im Dannenröder Forst bei Minusgraden und Regen. Mit der Besetzung versuchen sie, ein letztes Stück Natur vor dem Autobahnausbau zu retten.

Video: Korinna Lorentz, Franziska Ruppert, Mara Süßmann

Eine Woche campen zu gehen ist das Eine, komplett im Wald zu leben etwas ganz Anderes. Die Aktivisten wünschen sich, dass alle verstehen wieso sie das tun. Ihrer Meinung nach können sie nur so die Rodungen und damit den Autobahnausbau verhindern. Deshalb laden sie alle Interessierten zu einem wöchentlichen Waldspaziergang ein, um sich ihre Besetzung des Dannenröder Forsts anzuschauen. Unterstützt werden sie dabei durch Bürgerinitiativen. Treffpunkt für den Spaziergang ist die Mahnwache am Waldrand. Als wir ankommen, haben die Aktivisten einen Tisch mit veganen Muffins und anderen Kleinigkeiten aufgestellt. Viele Anwohner kommen vorbei, um ihnen warmes Essen oder Sachspenden wie Matratzen, Zahnpasta oder Kletterzubehör vorbeizubringen. 

Wie lebt es sich im Wald?

Drei Aktivisten führen die Gruppe einen 15-minütigen Weg durch den Wald zum Ort der Besetzung. Jeder hat die Möglichkeit, persönlich mit den Aktivisten zu reden, um deren Position besser nachvollziehen zu können. Beim Betreten des Waldes werden wir von herbstlichen Farben und Ruhe empfangen. Man hört bei jedem Schritt nur das Knirschen der Schritte und die Stimmen aus der Gruppe. Schon nach dem kurzen Weg merken wir, wie der kalte Wind durch die Kleidung zieht. Doch die Aktivisten lassen sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen. Im Lager organisieren sie gemeinsam unter anderem neue Aktionen und machen die Baumhäuser wintertauglich.

Da das Gelände der Baugesellschaft DEGES gehört, ist ein Videodreh dort nicht möglich. Die Fotos fangen die Stimmung im Lager ein. 

Die Aktivisten haben ihre Aktion unter das Motto "Wald statt Asphalt" gestellt. | Bild: Mara Süßmann
Die Forderungen der Aktivisten hängen auf Spruchbändern in den Bäumen. Eine lautet: "Nieder mit dem motorisierten Individualverkehr. Fahrräder und Trams auf die Straße - Autos in die Geschichtsbücher." | Bild: Mara Süßmann
Neben den Baumhäusern können sich die Aktivisten auch in einem ungeheizten Bauwagen aufhalten. | Bild: Mara Süßmann
Zwei Aktivisten seilen sich von einem Baumhaus zusammen aus einer Höhe von 15 Metern ab. Die drei Baumhäuser sind durch Seilbahnen miteinander verbunden. | Bild: Mara Süßmann
Vorräte werden per Flaschenzug auf- und abgeseilt. Diese Aktivisten lösen gerade ihre Sicherung. | Bild: Mara Süßmann
Warmes Essen, wetterfeste Kleidung und gute Schlafsäcke sind zum Übernachten im Wald unersetzlich. | Bild: Mara Süßmann

Die Rodung des Dannenröder Forsts wurde nun auf Herbst 2020 verschoben. Die Aktivisten werden auf jeden Fall in ihren Baumhäusern bleiben und ihren Protest aufrecht erhalten. Sie gehen aufs große Ganze und hinterfragen das gesamte Verkehrssystem. Autos sind für die Aktivisten nicht das Fortbewegungsmittel der Zukunft. Sie fordern zusätzlich den Rückbau der bisherigen A49. Beide Forderungen sind aber aktuell noch schwer umzusetzen. 

Wir wissen alle, dass es eine Veränderung braucht. Dabei können kleine Dinge ebenso eine Wirkung erzielen wie extremer Aktivismus.