Sexkauf – ein kontroverses Thema. | Bild: Annelie Mack

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Sexkauf – ein kontroverses Thema. | Bild: Annelie Mack

18 May 2019

Autos, Bier und Brezeln – Dinge, die schnell mit Deutschland in Verbindung gebracht werden. Kaum jemand weiß, dass unsere Bundesrepublik auch für seine „freien“ Prostitutionsgesetze bekannt ist. Dabei sind Missstände in der Prostitutionsbranche die Schattenseite des Rotlichts. Ein Kommentar.

Prostitution ist uns allen ein Begriff. Es ist das älteste Gewerbe der Geschichte. Nähe gegen Geld – ein einfaches Konzept, das keine Verbindung oder Liebe voraussetzt. Sex als banales Gut, die Frau als Ware, bereit dir deine Wünsche zu erfüllen. Traumhaft? Im Gegenteil. 
 
Das Idealbild der freien und selbstbestimmten Frau wird immer wieder von der Prostitutionsindustrie geschaffen. Die Frauen erbringen ihre Dienste gerne und bestimmen selbstbewusst über ihren Körper. Ein feministischer Gedanke, was kann man da dagegen haben? Leider ist die Realität trauriger, als man denkt. Deutschland – in Medien wie die WELT „Bordell Europas“ genannt, lockt mit seinen freien Prostitutionsgesetzen Sextouristen in das Land. Hier ist Sex gegen Bares erlaubt, solange das Arbeitsumfeld stimmt und keine Ausbeutung stattfindet. 400.000 Prostituierte werden von rund einer Million Männer jeden Tag besucht.
 

Schattenseiten des Rotlichts

Die Bundesregierung deckte 2004 in einer Studie auf, dass 82 Prozent der Frauen psychische Gewalt und 87 Prozent körperliche Gewalt erleben. Bei solchen Zahlen sollte man sich Gedanken machen. Dabei verkaufen die Frauen „Spaß“ an ihre Kunden, die sich durch den Service viel Zeit sparen und das bekommen, was sie wollen: Einfach nur Sex. Doch hinter den Kulissen des Berufsfelds sind psychische Krankheiten als Folge keine Seltenheit. Offizielle Daten gibt es leider zu wenige, über die Risiken des Berufsfeld möchte kaum einer sprechen. Eine Studie von der Psychologin Sybille Zumbeck aus dem Jahr 2001 zeigt, dass 60 Prozent der Frauen eine voll ausgeprägte Posttraumatische Belastungsstörung (PTSB) in der Branche hatten.

„Ich kenne keinen Beruf, in dem es normal ist, täglich erniedrigt zu werden, in dem seelische Schäden zum Berufsrisiko gehören." – Huschke Mau, Ex-Prostituierte im Interview mit "WELT" (2015)

Huschke Mau ist Ex-Prostituierte. Sie hat insgesamt zehn Jahre gearbeitet und das „freiwillig“ setzt sie in Anführungszeichen. Sexuelle Traumatisierung, Geldprobleme. Letztendlich missbrauchte ein Mann ihr Vertrauen, um sie in die Prostitution einzuführen. Im Jahr 2012 stieg sie aus und gründete mit weiteren engagierten Frauen den gemeinnützigen Verein SISTERS für den Ausstieg aus der Prostitution! e. V.

SISTERS für den Ausstieg aus der Prostitution! e. V.  ist ein Verein, der „Schwestern“ und „Brüdern“ beim Ausstieg aus der Prostitution unterstützt. Gegründet wurde er von Frauen aus verschieden Branchen wie der Sozialarbeit, Politik, dem Journalismus oder auch aus der Prostitution. Mit ihrer Arbeit wollen sie verzweifelten Frauen und Männern helfen, die Sexarbeit hinter sich zu lassen. Standort des Vereins ist in Stuttgart.

Solche Angebote für Sexarbeiterinnen sind viel zu selten, einen Ausstieg schafft nicht jeder. Schnelles Geld, keine ausreichende Qualifizierung oder Zwang hält die Frauen in der Branche. Mit 30 Jahren sind viele schon vorgealtert, ein Symptom von extremem und ständigem Stress. Permanente Bauchschmerzen und immer wiederkehrende Infektionen durch die Sexpraktiken. Und das für schnellen Spaß der Freier?
 
Darf man eine Branche überhaupt unterstützen, die nur mit Medikamentenkonsum zu ertragen ist? In der die Prostituierten so lange arbeiten bis sie körperlich oder psychisch zusammenbrechen? Deren Arbeit ihren Willen bricht und Scham zum Arbeitsalltag gehört? Es ist offensichtlich, dass diese Frauen alles andere brauchen als sich gegen Geld zu verkaufen.