Die Liebe finden? Im Zeitalter von Tinder ist das oft gar nicht so einfach. | Bild: pixabay

Blickwinkel Generation Y auf der Suche nach Perfektion und dem Mann für's Leben
Das Leben ist kein Hollywoodfilm

Die Liebe finden? Im Zeitalter von Tinder ist das oft gar nicht so einfach. | Bild: pixabay

23 Mar 2018

Bei uns Ypsilonern gibt es keine Kompromisse. Erst recht nicht in der Liebe. Das wird auch im Zeitalter von Tinder & Co. deutlich. Durch die utopischen Ansprüche an uns selbst und den ständigen Drang nach Perfektion werden wir oft als Generation Beziehungsunfähig betitelt. Doch warum nimmt der Perfektionismus in unserer Gesellschaft eine so große Rolle ein? Und warum sehnen wir uns so sehr nach Glamour, Glitzer und einer Portion Hollywood in unserem Leben?

Vor etwa zweieinhalb Jahren war ich, wie viele andere auch, dem Tinder-Trend verfallen. Dem Traumprinzen musste man also nicht mehr direkt über den Weg laufen, sondern konnte ihn ganz bequem in Jogginghose von der Couch aus suchen. So verbrachte ich Nachmittage damit, Mr. Right beim „swipen“ zu finden. Ganz nach dem Motto: „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ wurde nach Beruf, Aussehen und Alter aussortiert. Von 150 Vorschlägen bekamen jedoch lediglich fünf ein Like. Denn nach einem Match mit einem David Beckham- oder Florian David Fitz-Zwilling ist es schwer, dem unscheinbaren, aber sympathischen Typ von nebenan eine Chance zu geben. Warum auch mit dem Poolboy durchbrennen, wenn man den Prinzen haben kann? Es kann schließlich immer noch jemand kommen, der besser ist: der vollere Haare oder mehr Muskeln hat und mehr Geld verdient. Und so warten wir kontinuierlich auf das perfekte Märchen. Was für ein Schwachsinn! Nach dem hundertsten Reinfall mit einem weiteren David Beckham-Verschnitt, der am Tisch rülpst, in dessen Wohnung ein Portrait von sich selbst an der Wand hängt und der mir leidenschaftlich von seinen neuesten Tinder-Eroberungen erzählte, wurde ich ganz unverblümt wieder aus meinem Dornröschen-Traum gerissen. 

Liebe Ypsiloner, die Liebe ist schon ein seltsames Konstrukt. Oder legen wir uns vielleicht die Steine selbst in den Weg, mit unserem ewigen Streben nach Perfektion? Nicht umsonst nennt man uns auch die Generation der „chronisch Unzufriedenen“. Und was bleibt uns letztendlich, wenn wir ständig auf der Suche nach dem perfekten Traummann sind, mit dem wir dann in einer perfekt dekorierten Altbauwohnung mit neuen Designermöbeln aus dem aktuellen IKEA-Katalog wohnen, oder doch lieber in einem großen Haus in einem Londoner Vorort mit großem Garten, einem Golden Retriever und zwei süßen Mädchen mit blonden Zöpfen, die auf einer Schaukel sitzen? Halleluja.

Während wir uns also entspannt zurücklehnen, mit einer Tüte Popcorn in der Hand und unser oscarreifes Kopfkino genießen, wird uns nach und nach klar, dass die Realität leider doch mehr nach einer typischen Bridget Jones-Komödie aussieht. Und so finden wir uns selbst in der Rolle der sympathischen Blondine wieder, die heulend mit Schokoladeneis bewaffnet vor dem Fernseher in ihrer einsamen Ein-Zimmer-Wohnung sitzt, verzweifelt über ihr katastrophales Leben. Im Fernsehen natürlich ein romantischer Kitschfilm und eine Sammlung vollgerotzter Tempotaschentücher neben der Couch. So viel zu den hohen Erwartungen. Das war’s dann wohl mit Hollywood.

Nach einem Sommer voll missglückter Dates habe ich schließlich beschlossen, mein Leben doch wieder in der Realität stattfinden zu lassen. Denn ganz einfach: Man verliert den Geschmack am Leben, wenn man ständig etwas daran optimieren will. Und siehe da, drei Monate später, auf einem Festival zwischen buntem Rauch und Seifenblasen habe ich ihn gefunden: Den Deckel zu meinem Topf, den sympathischen Typ von nebenan, bei dem ich bei Tinder vielleicht auf links „geswiped“ hätte, da er eher der Typ Frederick Lau ist und kein David Beckham-Klon. Mit einem Frederick Lau ist das Leben zwar kein Hollywoodfilm – aber definitiv fühlt man sich wie auf Wolke sieben. Und das reicht uns doch eigentlich aus.