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Corona-Hype: Onlineshopping

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Durch die Corona-Pandemie nehmen Onlinebestellungen stark zu. | Bild: Paula Agarwalla

Kommentar Corona-Hype: Onlineshopping

Durch die Corona-Pandemie nehmen Onlinebestellungen stark zu. | Bild: Paula Agarwalla
 

19 May 2021

Onlineshopping Wahn: Durch die Corona-Pandemie geht das Innenstadtfeeling immer mehr verloren und kleine Läden können sich kaum über Wasser halten. Papiertonnen quellen über, die Straßen sind voll mit Lieferfahrzeugen und die Menschen bestellen fröhlich weiter. Ein Kommentar.

Paula Agarwalla

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
seit Sommersemester 2020

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Es klingelt. Schon wieder? Genervt stehe ich von meinem Schreibtisch auf, um dem Postboten die Tür aufzumachen. Mittlerweile kennen wir uns schon. Meine Nachbarn haben also wieder etwas bestellt. So viele Pakete wie in den letzten Wochen habe ich noch nie angenommen. Das Konsumverhalten der Deutschen hat sich durch die Corona-Pandemie grundlegend verändert. Statt dem typischen Innenstadtbummel wird vom Sofa aus geshoppt. Auch Produkte, die vorher hauptsächlich im Einzelhandel gekauft wurden, werden jetzt bestellt. Sogar den Lebensmitteleinkauf erledigen viele aufgrund von Kontaktbeschränkungen im Internet. Der massenhafte Andrang ist seit Beginn der Pandemie zu beobachten. Das Problem dabei: Die meisten Onlineshopper wissen nicht, was für einen Schaden das ganze Bestellen anrichtet. Um dem entgegenzuwirken, müsste es nicht nur klare Vorschriften für Onlinehändler geben, auch die Menschen müssen sich über die Folgen im Klaren sein und bewusster einkaufen.

Schon seit mehreren Jahren wächst der Online-Umsatz weltweit. Jetzt erlebt der Umsatz von E-Commerce noch mal einen wahren Boom: Laut einer aktuellen Studie des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) ist der Brutto-Umsatz mit Waren im E-Commerce in Deutschland im vergangenen Jahr von 72,6 Milliarden Euro auf 83,3 Milliarden Euro gestiegen. 

Die Begeisterung fürs Onlineshopping ist nicht unbegründet. Es besteht eine große Auswahl, die Bestellung verläuft stressfrei und ortsunabhängig, Produkte sind oft günstiger und es ist ganz einfach praktisch und bequemer. Gerade jetzt merken die Deutschen, dass Onlineshopping gut funktioniert. Einer Studie des bevh nach kaufen rund 40 Prozent der Verbraucher inzwischen wöchentlich im Internet ein. Doch die vielen negativen Folgen sind vielen nicht bewusst. Was unter anderem daran liegt, dass nicht genug darüber aufgeklärt wird. 

Dem kometenhaften Aufstieg des Onlineshopping folgt zwangsläufig der Niedergang traditioneller Kaufhäuser. Dabei geht das Einkaufserlebnis im Internet doch total verloren. Wer hat es nicht geliebt, am Wochenende gemütlich durch die Einkaufsstraßen zu ziehen und „einfach mal zu schauen?“ Außerdem bekommt man beim Shopping im Netz keine Eins-zu-Eins-Beratung, kann nicht direkt anprobieren und ist somit der Gefahr ausgesetzt, unnötige Sachen zu bestellen. 

Das große Problem im Onlinehandel ist die steigende Nachfrage und somit das Erwarten der Kunden, dass Anbieter sich stets an die neusten Trends anpassen. Die Bandbreite und Verfügbarkeit an Produkten wachsen stetig. In der Fast Fashion Industrie gibt es mittlerweile 52 statt vier Saisonen. So kommt es oft zu Überproduktionen, da die Erwartung besteht, dass alles immer und überall verfügbar ist.

Laut Erkenntnissen der Universität Bamberg landen ca. vier Prozent der zurückgesendeten Waren im Müll. Das Berliner Ökoinstitut weist außerdem darauf hin, dass in diesen Zahlen übrig gebliebene Saisonartikel, die gar nicht verkauft wurden, nicht mitinbegriffen sind. Bereits 2019 wurde eine Gesetzesänderung zur Vernichtung von Retouren angekündigt. Das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz ist seit Oktober 2020 in Kraft. Das ist aber noch nicht genug. Die Rechtsverordnung liegt hier nämlich noch nicht vor. Diese müsste es aber geben, um rechtlich gegen Vernichtung von Retouren vorgehen zu können.

Um tatsächliche Änderungen im gesamten Onlinehandel zu erreichen, müsste es also klare Verpflichtungen für Onlinehändler geben. Dabei sollte der Fokus vor allem darauf liegen, die Lieferungen nachhaltiger und die Arbeitsbedingungen fairer zu gestalten. Für Liebhaber des Onlineshoppings gibt es bereits vereinzelte Möglichkeiten, nachhaltig und mit gutem Gewissen einzukaufen. Dazu ist allerdings mehr Transparenz bei Herstellern und Vertreibern notwendig.

Für kleinere Läden rentiert sich der Onlineauftritt oft nicht, da meist große Händler mit billigen Preisen und großer Auswahl für den Einkauf auserwählt werden. Doch gerade jetzt sind kleine Läden auf unsere Hilfe angewiesen. Statt vom Sofa aus zu shoppen, sollten wir uns also, sobald die Läden wieder aufmachen, gut überlegen, was wir vielleicht nicht doch im real-life kaufen könnten.