Am Rande der Verzweiflung: Zu wenige funktionierende Rolltreppen, zu viele Stufen | Bild: Denise Ott

edit.Puls Das Rolltreppen-Wunder
Puls auf 180

Am Rande der Verzweiflung: Zu wenige funktionierende Rolltreppen, zu viele Stufen | Bild: Denise Ott

30 Jan 2018

Da rast sie vor uns in die Höhe: Unser 2,7 Stundenkilometer schneller und lebenserleichternder Freund und Helfer im Alltag – oder eben auch nicht. Immer dann, wenn man sie braucht, fällt sie natürlich aus: die Rolltreppe.

Wir armen, unschuldigen Menschen stehen nun unten am Treppenabsatz und schauen entmutigt und hoffnungslos nach oben. „Da muss ich hoch? Da muss ich hoch!“ Das Glück ist heute nicht auf unserer Seite. Warum funktioniert ausgerechnet diese eine von rund 35.000 Rolltreppen in Deutschland nicht? Man nimmt sich eine Stufe nach der anderen vor, merkt wie die Beine schwerer werden, der Atem schneller und die Luft mit jeder Stufe dünner – der Puls rast – bei jedem Schritt der Gedanke: „Wieso? Wieso ich?“
 
Ja, wieso eigentlich? Ist es schwer eine Rolltreppe instand zu halten? Man weiß es nicht. Das Tiefbauamt Stuttgart hüllt sich in tiefes, mysteriöses Schweigen. Vielleicht steckt ein Komplott, eine Verschwörung dahinter? Oder einfach Murphy’s Gesetz „was schiefgehen kann, geht schief“. Dann hat natürlich niemand Schuld daran. Wenn übernatürliche Kräfte im Spiel sind, ist es nur verständlich, dass man keine Angaben machen kann. Ist okay, wir sind ja locker drauf.
 
Aber was machen erst Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen oder ältere Menschen? Hochschweben? Auf einer rosa, glitzernden Wolke sanft nach oben gleiten? Ja, genau so wahrscheinlich. Hier steigt der Puls dann sogar ohne jegliche Anstrengung.
 
„Schlimmer geht immer“: Was wenn man Gummistiefel an hat? Dann darf man erst gar nicht auf die Rolltreppe – egal, ob sie funktioniert oder nicht. Die kleinen Sticker geben uns diesen lebenswichtigen Hinweis. Wenn du beim Fahren mit deinen Stiefeln zu weit am Rand stehst, dann entsteht Reibung und der Gummi schmilzt. Das ist weder gut für unsere Füßchen noch für die Rolltreppe. Die Borsten unten an den Stufen sollen eigentlich für Abstand sorgen. Doch sie sind einfach viel zu verlockend, um seine Schuhe zu reinigen. Das weiß auch das Tiefbauamt Stuttgart. Also ist die Lösung für die Lösung, die zum Problem geworden ist: Rolltreppen abschalten.

Applaus, Applaus

Wir geben aber auch zu, dass es in manchen Fällen besser ist, dass sie nicht funktioniert.
Hier zum Beispiel sind ganz schöne Akrobaten unterwegs. Sind die Rolltreppen vielleicht deswegen immer kaputt?

Trotzdem: Vielen herzlichen Dank, liebes Tiefbauamt Stuttgart! Treppensteigen hält uns fit und spart uns die teuren Gebühren für ein Fitnessstudio. Das hat der Erfinder Jesse Reno damals vor 123 Jahren wohl nicht bedacht: Man verbraucht ja bekanntlich um die fünfzig Kalorien beim Treppen laufen – was will man mehr?

Außer vielleicht hier und da mal eine funktionierende Rolltreppe.

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