Franziska aus Stuttgart | Bild: Katharina Csulits

edit.Yourope Fernbeziehung
Liebe auf Distanz

Franziska aus Stuttgart | Bild: Katharina Csulits

20 May 2018

Zwei Länder, zwei Menschen, eine Beziehung. Mehr als 1.000 Kilometer trennen Franziska und Callum. Genau das war auch der Grund für Callums Unsicherheit, die Franziska ihm erst nehmen musste.

Als sich Franziska und Callum 2016 während seines Auslandpraktikums kennengelernt haben, funkte es sofort. Trotzdem war nicht direkt klar, was aus den beiden wird. Callum musste zurück nach Birmingham, während Franziska zu Hause in Stuttgart blieb. „Auf einmal war die Wohnung wieder ganz leer“, erinnert sie sich im Nachhinein. Gemeinsame Bilder, die sie auf ihrer Kommode stehen hat, erinnern Franziska jeden Tag an ihre Liebe in England. Daneben ein bekritzelter, bunt angemalter Kalender, der von wichtiger Bedeutung ist.

Franziska, das Wort „Fernbeziehung“ kann einem ganz schöne Angst machen. Hattet ihr Zweifel zu Beginn?

Ja, es war alles ein wenig komplizierter. Callum hatte vor mir schon einmal eine Fernbeziehung und hat deswegen gesagt, dass er nicht nochmal Lust auf so etwas hat. Die Zeit, in der man sich nicht sieht, wäre einfach zu schlimm.

Und wie sah es bei dir aus? Umgestimmt hast du ihn letztendlich.

Am Anfang haben wir noch gesagt, wir genießen die Zeit, die wir haben, solange er noch da ist und schauen, wie es sich entwickelt. Für mich war eigentlich klar, dass wir das schon hinbekommen. Wir wohnen ja keine zehn Flugstunden voneinander entfernt.

Gab es auch einen Moment, in dem du Angst um eure Beziehung hattest oder dir unsicher warst?

Er ist nach seinem Praktikum noch weiter nach Amerika gegangen. Da hat er bei „Camp America“, einem amerikanischen Feriencamp, mitgeholfen. Zwei Monate waren wir voneinander getrennt. Das war auch die unsicherste Phase, in der ich nicht wusste, wie und ob das mit uns weitergeht.

Was ist dann passiert?

Nach den zwei Monaten hatte er noch einen Trip durch Amerika geplant. Da habe ich ihn dann einfach gefragt, ob ich mitkommen kann. Davon musste ich ihn aber erst überzeugen. Nach einem langen Hin und Her habe ich gebucht und bin zu ihm nach Amerika geflogen.

In den USA hatten die beiden eine schöne Zeit. | Bild: Franziska Müller

So eine Reise schweißt nochmal zusammen. War es sehr schlimm, zurück nach Deutschland zu gehen, während er wieder zurück nach England musste?

Vor Amerika hatten wir uns zwei Monate lange nicht gesehen. Das war viel schlimmer. Denn während seines Praktikums haben wir uns wirklich jeden Tag gesehen. Sobald ich fertig mit der Arbeit war, habe ich ihn abgeholt, wir waren zusammen beim Fußball, sind danach zu mir gegangen und haben zusammen gekocht. Da war es wirklich so, als würde er hier bei mir wohnen.

Und dann war er plötzlich weg.

Ja, das war wirklich komisch. Da hat man so viel Zeit miteinander verbracht und sieht sich dann eine ganze Weile gar nicht mehr. Wir haben viel geschrieben und uns von unserem Tag erzählt. Nach Amerika war es eigentlich ähnlich.

Gab es auch von deiner Seite aus Befürchtungen, die du am Anfang eurer Beziehung hattest?

Ich war eigentlich immer relativ zuversichtlich. Von Stuttgart nach Birmingham gibt es einen Direktflug und man ist echt relativ schnell da. Durch Europa fliegt man einigermaßen günstig, wenn man früh genug plant. Deswegen habe ich gesagt: „Das bekommen wir schon alles hin.“

Würdest du sagen, man „lernt“ mit einer Fernbeziehung und der ständigen räumlichen Trennung umzugehen?

Es ist nicht so, dass ich jedes Mal weine, wenn wir uns verabschieden. In dem Moment, in dem man in den Flieger steigt, ist es doof. Am liebsten wäre man dageblieben, anstatt heim in die leere Wohnung zu gehen.

Auf der anderen Seite hat man zwei getrennte Leben, die beide weitergehen und das sollte das eine nicht schlechter machen, nur, weil die andere Person räumlich nicht da ist. Man weiß ja, man sieht sich wieder und man gewöhnt sich irgendwie auch daran.

Gemeinsame Fotos der zwei | Bild: Katharina Csulits
Dieselben Fotos sind auch in Callums Zimmer in Birmingham. | Bild: Franziska Müller

Denkst du, in einer Fernbeziehung spielt Eifersucht eine größere Rolle?

Ich kann mir vorstellen, dass es so sein kann. Bei uns eigentlich nicht. Wir haben da echt viel Vertrauen. Es ist wichtig, dass beide relativ nahe am Leben des anderen dran sind. Als er hier war, hat er meinen Lebensstil mitbekommen. Er kennt die Leute, mit denen ich in meiner Freizeit etwas unternehme und kann sich auch so gut vorstellen, was ich den ganzen Tag mache. Und andersrum weiß ich auch, wie seine Welt aussieht.

Was ist euer Geheimrezept für eine funktionierende Fernbeziehung?

Wir nutzen Feiertage und verlängerte Wochenenden, um uns zu sehen. Man muss eben schauen, dass man sich nicht zu sehr auf die andere Person versteift. Nicht, dass man denkt, nur die Person macht mein Leben toll und alles andere ist doof. Natürlich ist auch einfach Management nötig. Dafür haben wir beide einen Kalender, in den wir uns alles eintragen: An welchem Wochenende wir uns sehen und an welchen es noch passen könnte. Außerdem sollte man gemeinsam auch langfristig denken.

Ein Bild von Franziskas Kommode | Bild: Franziska Müller

Was sind die Vorteile einer Fernbeziehung?

Die Freiheit, abends zum Beispiel auch alleine zu sein, meine Ruhe zu haben und spontan etwas mit Freunden unternehmen zu können. Trotzdem sollte man eine Balance in dieser Freiheit finden und nicht denken, nur, weil der Freund räumlich nicht da ist, kann ich machen, was ich will.

Habt ihr denn Pläne für eure Zukunft?

Er ist jetzt im Mai fertig mit dem Studium und danach ist der Plan, dass er erstmal nach Deutschland kommt und schaut, ob er hier einen Arbeitsplatz findet. Langfristig haben wir überlegt, eventuell zusammen einen Master in England zu machen.

Franziskas Tipps für euch | Bild: Grafik von Katharina Csulits