Ob Kaffee to go oder Center Shock – am F&K Büdle verkauft Jasmin alles, was das Kiosk-Herz begehrt. | Bild: Fabienne Keck

edit.Puls Nachtkultur
Lass mal zum Späti gehen!

Ob Kaffee to go oder Center Shock – am F&K Büdle verkauft Jasmin alles, was das Kiosk-Herz begehrt. | Bild: Fabienne Keck

31 Jan 2018

Nachts in Stuttgart einkaufen ist leichter gesagt als getan. Bei später Stunde noch einen offenen Kiosk zu finden, gleicht hier einer Schatzsuche. Andernorts gehört der sogenannte Spätverkauf zum alltäglichen Stadtbild. Über eine Nachtkultur mit ungewisser Zukunft.

Auf haben, wenn andere schon zu haben. Das ist die Kernidee der sogenannten Spätverkäufe, die oft einfach nur „Spätis“ genannt werden. Zigaretten, Getränke, Süßigkeiten. Spätis erfreuen sich mit ihrem vielfältigen Angebot einer großen Beliebtheit. Auch wenn alle Läden schon geschlossen haben – im Späti brennt noch Licht. Sie sind aber nicht nur eine nächtliche Einkaufsmöglichkeit. „Kioske haben eine eigene Kultur“, sagt Felix vor seinem neuen F&K Büdle am Berliner Platz in Stuttgart. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Christopher eröffnete er es letzten Oktober. Die Jungs vom Freund & Kupferstecher kennt man in Stuttgart vor allem wegen ihres Clubs. Gleich um die Ecke wollen sie mit ihrem Kiosk mit „überschaubarem Risiko mal reinschnuppern, im Hinblick darauf später mal ein, zwei klassische Spätis aufzumachen.“ Bisher haben sie ihren Kiosk ausschließlich auf das Tagesgeschäft ausgerichtet. Durch einen Beschluss Anfang Dezember könnte sich das bei einigen Kiosk-Besitzern aber ändern. Das Alkoholverkaufsverbot in Baden-Württemberg von 2010 wurde abgeschafft. So darf offiziell auch nach 22 Uhr wieder Alkohol verkauft werden. Ein Lichtblick für die Späti-Szene.

„Späti-Szene“ kämpft gegen gesetzliche Grundlagen

Die Besonderheit bei einem Späti sind die langen Öffnungszeiten – und gleichzeitig auch das größte Problem. Gerade rechtliche Fragen führen immer wieder zu Auseinandersetzungen mit dem Ordnungsamt. Viele Läden mussten deutschlandweit schon schließen. Einige Späti-Besitzer öffnen widerrechtlich auch an Sonntagen, um nicht auf die Einnahmen des umsatzstärksten Tages der Woche zu verzichten. Denn gerade sonntags, wenn die Konkurrenz wie z.B. Supermärkte geschlossen haben, verdient man am meisten. Bei Kontrollen vom Ordnungsamt ist jedoch mit hohen Strafen zu rechnen. „Auch in Stuttgart werden solche Sachen erfahrungsgemäß relativ schnell unterbunden. Aber das hängt auch davon ab, wie streng die Stadt ist“, sagt Felix. 

Aber wann darf man wie lange in Baden-Württemberg aufhaben? Und welche Strafen drohen bei einer Ordnungswidrigkeit? Edit hat nachgefragt:

Nicht allein die gesetzliche Grundlage macht es den Spätis schwer. Da sie zum Einzelhandel und nicht zur Gastronomie zählen, dürfen dort keine offenen Getränke angeboten werden. „Es liegt in meiner Verantwortung, dass die Leute ihr Bier, das sie bei mir gekauft haben, woanders trinken“, sagt Felix. Das mache für ihn ein wirkliches Späti-Feeling sehr schwer. „Ich würde es mir wünschen, dass es mehr Spätis gibt, bin aber nicht so optimistisch, dass das in Stuttgart umsetzbar ist“, sagt er weiter. 

Rarität im Süden – Alltag in der Hauptstadt

Spätis gehören in Berlin zum Stadtbild, wie andernorts der Kirchturm. Hier haben sie auch ihren Ursprung. Zu DDR-Zeiten haben Spätis in Ost-Berlin die Nachtschichtarbeiter versorgt. Mittlerweile kennt man das Geschäftsmodell aus vielen Großstädten. Berlin, das Ruhrgebiet und Hamburg sind die Hochburgen des Kiosks. „An fast jeder Ecke findet man ein Kiosk, Büdchen oder Späti“, sagt Felix. Sie sind von einem alltäglichen Ort zum Kultzentrum mutiert. Hier trifft und kennt man sich. Aber wie sieht es in Deutschland mit der Späti-Kultur aus?

Für mehr Informationen fahre mit der Maus über die Karte. | Grafik: Fabienne Keck

Einige Spätis sind auch mittlerweile zur Partyzone geworden. „Ich habe Abende in Berlin verbracht, da waren wir nur in Spätis – in keinem Club, in keiner Bar. Wir sind einfach von Späti zu Späti gezogen und hingen da ab“, erzählt Felix. Aber Stuttgart ist eben auch nicht Berlin. Doch wer weiß, wie die Zukunft der Spätis schon aussehen wird. „Wär auf jeden Fall cool, wenn die Späti-Kultur in Stuttgart wieder aufleben würde“, sagt Felix.