Moes Synonym ist "Glück", das steht für die positiven Vibes. | Bild: Madita Dorn

edit.Puls Street-Art
Graffiti: Ist das Kunst oder kann das weg?

Moes Synonym ist "Glück", das steht für die positiven Vibes. | Bild: Madita Dorn

17 Dec 2017

Für den Einen ist es Kunst, für den Anderen Schmiererei. Der Stuttgarter Sprayer Moe sieht Graffiti als urbanes Phänomen, das in einer Großstadt nicht wegzudenken ist. Er nutzt legale Freiflächen wie die Hall of Fame in Bad Cannstatt, um seiner Kunst Raum zu geben. Doch viele zieht es in die illegale Szene.

Dicke Weste, Farbkleckse auf seinem Hoodie, einen Tapezierroller in der Hand. Sprayer Moe 
bereitet sich auf einen langen Tag vor. Denn ein Graffiti kann bis zu zehn Stunden dauern. Die 
Wand hinter ihm ist orange übermalt. Die Spraydosen stehen bereits aufgereiht am Boden. 
Hier an der Hall of Fame in Bad Cannstatt, der größten Freifläche für legale Graffitikunst in 
Stuttgart, ist Moe öfter anzutreffen.
Was Anfang der 70er Jahre in New York entstand, hat sich heute in allen Metropolen der 
Welt ausgebreitet – ob in New York, Chicago, Rio De Janeiro, Berlin oder Stuttgart: Graffiti 
ist überall zuhause. Ist Graffiti Kunst? Für Moe und seine Freunde schon. Doch Graffiti kann 
auch anders.

Graffitikünstler Moe blickt hinter die Kulissen der Stuttgarter Szene und erzählt über seine Anfänge als Sprayer.

Graffiti - Kunst oder Rebellion?
Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass man die Graffitiszene nicht nur aus einer Perspektive 
betrachten kann. Was viele in Kunstausstellungen bewundern, wird nachts im Verborgenen an 
Hauswänden verewigt. Während die Stadt Graffitikünstler beauftragt, um Fassaden mehr 
Leben einzuhauchen, steht ein Hausbesitzer verärgert vor den eigenen vier Wänden. Er ist 
bewaffnet mit Lösungsmitteln und einem Hochdruckreiniger, empört über diese rebellische 
Kunstform.
Neben aufgebrachten Hauseigentümern sind auch die Polizei und das Tiefbauamt von der 
illegalen Graffitiszene betroffen. Laut der Stuttgarter Zeitung gab die Stadt Stuttgart im 
vergangenen Jahr 250.000 Euro für die Entfernung der Schmierereien an Brücken, 
Tiefgaragen, Tunneln oder Parkhäusern aus, die ohne viel Liebe zum Detail in aller Eile an die 
Wände gesprüht werden. Sie zu finden ist nicht schwer, sie wieder zu entfernen dafür umso 
aufwändiger. Zwei bis vier Stunden dauert es, bis die Graffitis verschwunden sind.

Die Ausrüstung eines jeden Graffitikünstlers: Spraydosen in verschiedenen Farben. | Bild: Madita Dorn

Während Reinigungsfirmen die Schmierereien mühevoll von den Wänden lösen, versucht die 
Polizei, die Sprayer mit anderen Mitteln aufzuhalten. Dazu gehören auch Vorträge an Schulen, 
um Jugendliche über die rechtlichen Konsequenzen von illegalem Graffiti aufzuklären. Denn 
wird ein illegaler Sprayer erwischt, lautet die Anklage Sachbeschädigung oder 
Hausfriedensbruch. Auch mit saftigen Geldstrafen müssen die Täter rechnen. Trotzdem gab es 
im letzten Jahr in Stuttgart 1.464 Strafanzeigen wegen unerlaubter Schmierereien. Doch was treibt illegale Sprayer an? Die Motive lassen sich nicht eindeutig erklären. Für den einen ist es ein Hobby, 
für den anderen Nervenkitzel, Berühmtheit oder einfach die Suche nach Anerkennung unter 
den Sprayern.
Die Szene pulsiert im Untergrund. Einen Interviewpartner zu finden? Unmöglich. Das Risiko, 
enttarnt zu werden, ist zu groß.

Mehr Freiflächen für ein legales, bunteres Stuttgart
Eine weitere Möglichkeit, illegales Graffiti einzudämmen, ist, den Sprayern mehr legalen 
Raum zu geben. Dafür setzen sich Kulturbeauftragte wie Florian Schupp, Angestellter der 
Stuttgarter Jugendhausgesellschaft, ein. Der ehemalige Graffitisprayer bezeichnet sich selbst 
als Teil der Szene und als Schnittstelle zwischen den Stuttgarter Sprayern, der Stadt und der 
Polizei. Seine Aufgabe: Freiflächen verhandeln. Sein Ziel: „Vorurteilen entgegenwirken und 
eine Verbindung zwischen der Bevölkerung und den Sprayern schaffen.“ Diese Aufgabe sei 
oft mühsam und könne nur mit viel Geduld bewältigt werden. Die Verhandlungen für neue 
Freiflächen dauere oft mehrere Jahre und müsse verschiedene Gemeinderatssitzungen 
durchlaufen. „Doch warten lohnt sich“, findet Florian Schupp. „In Stuttgart gibt es viel zu 
wenig Freiflächen. Diese sind jedoch wichtig, um jedem den Zugang zu Graffiti zu 
erleichtern.“

Nicht nur an Fassaden macht Graffiti die Stadt bunter. | Bild: Madita Dorn

Bisher gibt es Halls of Fame lediglich in Bad Cannstatt an der König-Karls-Brücke, sowie 
dem Züblin Parkhaus in der Stadtmitte. Nach drei Jahren Verhandlung ist dieses Jahr eine 
weitere Hall of Fame freigegeben worden. Nun kann auch an der Autobahnbrücke in 
Vaihingen gesprayt werden.
Inzwischen ist die Sonne untergegangen. Moe feilt an den letzten Details seines Graffitis. Er 
geht ein paar Schritte zurück und blickt prüfend auf sein Kunstwerk. Noch ein paar letzte 
Farbkleckse aus der Dose, dann ist sein Graffiti vollendet. Zufrieden zückt er die Kamera und 
fotografiert seine Arbeit. Seine Kunst kann morgen schon übermalt sein. Was ihm bleibt, sind 
die Bilder.

Den Sprayer dieses Graffitis erkennt man am Symbol des Auges wieder. | Bild: Madeleine Fischer
Die Hall of Fame in Bad Cannstatt zeigt einzigartige Graffitikunstwerke, wie die des Sprayers Dingo Babusch. | Bild: Madeleine Fischer
Neben Schriftzügen sind auch ausgefallene Motive bei den Graffitikünstlern sehr beliebt. | Bild: Nina Büchs
Auch düstere Motive sind an der Hall of Fame in Bad Cannstatt vorzufinden. | Bild: Madita Dorn
Diese Madonna entstand an der Hall of Fame unter der König-Karls-Brücke in Bad Cannstatt. | Bild: Madita Dorn
Der Sprayer Jeroo verschönerte im Aufttrag der Stadt eine Schule am Stöckachplatz in Stuttgart. | Bild: Madeleine Fischer