Ohne die enge Zusammenarbeit zwischen allen Abteilungen wäre nichts möglich: Jörn (Assistent der technischen Direktion) und Evropi (Abteilung Gastspiele und Internationales). | Bild: Jana Dengler

edit.Yourope Theaterfestival
The Future of Europe

Ohne die enge Zusammenarbeit zwischen allen Abteilungen wäre nichts möglich: Jörn (Assistent der technischen Direktion) und Evropi (Abteilung Gastspiele und Internationales). | Bild: Jana Dengler

24 May 2018

Ein Festival im Herzen Stuttgarts: Wie das Schauspiel zum Treffpunkt für Künstler und Theaterbegeisterte wird, die sich gemeinsam mit Europa auseinandersetzen und mögliche sowie unmögliche Ausblicke in die Zukunft bearbeiten.

„Theater hat einen Auftrag! Es lebt davon, sich mit der aktuellen politischen Lage und den Begebenheiten dieser Welt auseinanderzusetzen.“ – Armin Petras, Intendant des Schauspiel Stuttgart

Dieser Auftrag, also die Auseinandersetzung mit dem, was momentan in Deutschland und in der Welt vor sich geht, führte zur Idee, sich spielerisch in Form eines Festivals mit der Zukunft Europas zu beschäftigen. Im nun bald zwei Jahre andauernden Prozess ging es darum, Utopien sowie Dystopien zu entwerfen, die den Zuschauer zum Nachdenken bewegen, ihn aufrütteln und vielleicht bewirken, dass Europa wieder präsenter wird.

Am 6. Juni eröffnet das Schauspiel sein Festival und wird bis zum 10. Juni ungewöhnliche und herausragende Produktionen für Theater-Interessierte zeigen. Dazu sind Armin Petras und sein Team viel gereist und haben sich Stücke in ganz Europa angeschaut. Das Ergebnis: 15 Produktionen von insgesamt zwölf Ensembles, die nach langer gemeinsamer Auseinandersetzung mit der Thematik dem Publikum ihre Interpretationen präsentieren.

Zwölf Theater haben sich an The Future of Europe beteiligt. | Bild: Jana Dengler

Warum jetzt?

Die Tatsache, dass sich etwas bewegt und verändert, lässt sich nicht mehr leugnen und wirft viele Fragen auf: Wie geht es weiter mit dem Versuch Europa? Was könnte passieren, wenn …? Wer gehört dazu? Wer nicht? Und warum betrifft das jeden Einzelnen von uns? Eine starke Migrationsbewegung und viele populistische Parteien, die sich dagegen auflehnen, sorgen für Unruhe und bringen das ursprünglich demokratische Konstrukt ins Wanken.
Aus eben solchen Bewegungen entstand die Notwendigkeit, so Evropi Thomopoulou (Abteilung für Gastspiele und Internationales), das Thema Europa in die Öffentlichkeit zu tragen beziehungsweise zurück in die Köpfe der Betroffenen zu holen.

Der Prozess

Über anderthalb Jahre haben sich Petras, Veranstalter und Ideengeber, sein Team und die Partner aus Athen, Barcelona, Budapest, Istanbul, Kherson, Lyon, Mailand, Moskau und Thessaloniki nun mit diesen Fragen beschäftigt. „Das war ein extrem demokratischer Prozess“, so Petras. „Klar war nur: Wir wollen gemeinsam Etwas zum Thema „Zukunft von Europa“ machen. Was wir machen, wie wir das machen, welche Texte, Themen und Formate, das lasst uns bitte gemeinsam entwickeln!“ Nach vielen langen und aufreibenden Gesprächsgruppen seien dann Ideen geboren worden. Diskutiert und geprobt wird auf Englisch. Das schränke jeden der Theatermacher ein Stück weit ein. Da alle das gleiche Handycap hätten, entstünde aus der Gruppe eine Einheit. Gerade bei internationalen Projekten sei das zwar Arbeit, aber auch eine große Chance, so Thomopoulou.

Ein Ort der Begegnung

Es sei wichtig, dass sich Kulturbetriebe wie das Schauspiel Stuttgart mit politischen Themen auseinandersetzen, um einen künstlerischen Zugang zu schaffen, verschiedene Blickwinkel zu erarbeiten und in die Öffentlichkeit zu tragen. „Das Theater ist ein Ort für Diskussion und Begegnung“, sagt die Organisatorin, „es geht darum, Kunst zu machen, aber auch darum, eine Plattform zu schaffen, um sich mit Kulturen, Unterschieden und Gemeinsamkeiten auseinanderzusetzen, neue Sichtweisen kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen.“

„Wir leben in einer freien Gesellschaft, in der wir Grenzen überschreiten und die Fragen stellen können, die wir wirklich stellen wollen. Es ist ein Beitrag des Theaters, diese Freiheit zu verteidigen!“ – Armin Petras

Theaterfestival?!

Doch was kann man sich unter einem Theaterfestival vorstellen? Eine Darbietung dauert vielleicht ein, zwei Stunden, und dann? Thomopoulou lacht. Es ginge bei Weitem nicht nur darum, sich ein Stück nach dem anderen anzusehen. „Es gibt so viele verschiedene Interessen und ebenso viele Dinge zu entdecken: Ausstellungen, Gesprächsrunden, Life Performances, Partys und Überraschungs-Interventions!“ Ihr Tipp: Auch unabhängig vom Spielplan vorbeischauen, gemeinsam Zeit verbringen und sich bei einem Bier mit anderen Besuchern unterhalten. „Ins Theater gehen kannst du immer, aber solche Produktionen sind einmalig!“