Wie sieht das europäische Haus aus? Steril oder bunt? | Bild: Jennifer Dypka

edit.Yourope Interior Design
Ein Blick in die vier Wände Europas

Wie sieht das europäische Haus aus? Steril oder bunt? | Bild: Jennifer Dypka

30 Jun 2018

Französisch, italienisch, skandinavisch, deutsch und europäisch: Welche Einrichtungen sind in Europa vertreten und was macht diese aus? Welche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten gibt es zu entdecken? Ein Blick ins Heim.

Seit den Anfängen der Europäischen Union in den 1950-er Jahren wachsen die unterschiedlichen Kulturen und Länder Europas immer weiter zusammen. Gilt das auch für unsere eigenen vier Wände? Bekannte Einrichtungen wie der mediterrane italienische Stil oder der schlichte skandinavische Stil sind uns allen bekannt.

Gibt es einen europäischen Einrichtungsstil?

Auf der Suche nach dem europäischen Einrichtungsstil kommt man nicht umher, auch die anderen Stilrichtungen Europas zu betrachten. Dazu zählen die Einrichtungsstile Frankreichs, Italiens, Skandinaviens und der deutsche Einrichtungsstil. Edit hat Personen vor verschiedenen Möbelhäusern in Stuttgart und Umgebung nach ihrer Meinung zu den unterschiedlichen Einrichtungsstilen gefragt.

„La dolce vita“ – Das süße Leben

Hoa Nyguen erzählt uns von ihren Vorstellungen des italienischen Einrichtungsstils.

Beim Einrichtungsstil kommt es ganz auf die Region an. Richtung Süden erfreut sich das bunte Italien am mediterranen Stil. Terrakotta ist die wohl bekannteste Farbe am Mittelmeer. Erdtöne sind ebenfalls sehr beliebt. Holz darf nicht fehlen und viele Möbel sind Handarbeit. Italienische Häuser haben Platz für die große Familie, können aber dennoch für den ein oder anderen überladen wirken.

„Le savoir vivre“ – Das Leben genießen

Anastasia erzählt uns, was ihre Vorstellungen des französischen Einrichtungsstil sind.

Ornamente, aber dennoch modern? Wie geht das denn? Ganz einfach, Frankreich liebt „shabby chic“: filigrane Metallmöbel, viel Vintage, aber dennoch elegant. Es wird nicht immer mit den aktuellen Trends mitgegangen, auch wenn man das von ihnen denken könnte, wenn man einen Blick auf die modebewussten Franzosen wirft. Altes und Neues wird stattdessen gerne bunt gemixt. Die Franzosen lieben es alt, aber so abgenutzt wie bei den Engländern dürfen die Möbel nicht aussehen. Eben solche Kombinationen wie „shabby chic“ können überall in Europa gefunden werden. „Der eine kriegt etwas von der Mutter geschenkt. Das andere Möbelstück bekommt man günstig. So baut sich ein bunter Mix auf“, so Jonathan Patti, Geschäftsinhaber von BoConcept in Stuttgart.

„Lagom!“ – Nicht zu viel, nicht zu wenig

Von ihrer Vorstellung des skandinavischen Einrichtungsstils berichtet Hanna Schumm.

Natürliche Materialien wie Holz oder Felle, das sehen die skandinavischen Europäer gerne. Simpel, praktikabel und die schlichte Eleganz des skandinavischen Einrichtungsstils machen eben diesen einzigartig. Keine unnötigen Schnörkel, nichts Verspieltes. Stattdessen immer mehr Kissen auf dem Sofa und kräftigere Farben an der Wand. „Modern classic“ ist das neue Schwarz der Skandinavier. Klinisch rein und weiß erfreut sich in den ländlichen Gegenden immer noch einer großen Beliebtheit. „Ein großes Stichwort dabei ist ein sehr bekanntes großes schwedisches Möbelhaus als das Aushängeschild für den skandinavischen Stil“, sagt Jonathan Patti, Geschäftsinhaber von BoConcept Stuttgart. „Für viele junge Leute ist das der erste Einkauf für die erste eigene Wohnung.“

„Daheim ist es doch am schönsten!“

Andreas Rieks, Schreiner bei Dirksen in Düren, erklärt edit näher, was den deutschen Einrichtungsstil so schwierig macht.

Kompliziert beschreibt den deutschen Einrichtungsstil passend, denn Deutschland hat keine klaren Vorstellungen bezüglich des Designs. In Deutschland wird auch bei den Möbeln auf Qualität und Effizienz geachtet. Besonders beliebt sind Kombinationen aus Massivholz und farblichen Stilelementen. „Der Fernseher und die HiFi-Anlage stehen im Mittelpunkt des Wohnzimmers“, sagt Joachim Weiss, Einrichtungsberater im Wohnland Reutlingen. Die zugehörigen Kabel sollen möglichst unsichtbar werden. „Das Nomaden-Denken der Deutschen“, fügt er hinzu, „sorgt dafür, dass wir gerne Möbel haben, die sich schnell und bequem in die nächste Wohnung mitnehmen lassen. Da wir immer davon ausgehen, wir könnten bald wieder umziehen.“ Einfach und handlich soll es sein, egal woher die Kunden von Joachim Weiss kommen: „Die Kunden wollen lieber zehn einzelne Möbelstücke als ein großes. Dabei kommt es nicht darauf an, woher der Kunde stammt.“

„edit, was ist denn jetzt europäisch?“

Saskia erzählt edit von ihrer Idee, ob es einen europäischen Einrichtungsstil gibt oder nicht.

Mit den unterschiedlichen Einrichtungen im Hinterkopf stellen wir uns nun der Frage nach europäischer Ausstattung daheim. Was sagt der Experte dazu? „Es gibt keinen festen europäischen Stil und wahrscheinlich wird sich auch keiner entwickeln. Vom europäischen Einrichtungsstil würden wir in der Möbelbranche nicht reden“, so Jonathan Patti, Geschäftsführer von BoConcept, „was sich eher entwickeln wird, ist ein bunter Mix aus allen Stilrichtungen“, sagt der Experte. Wer es „shabby chic“ mag, wird sich seine Wohnung auch so einrichten. Wer „industrial“ mag, wird seine Wohnung so einrichten. Die Elemente aus Italien und Frankreich in Kombination, alt und neu, steril und farbenfroh, die Möglichkeiten sind endlos.

Mut zur Farbe und dabei ohne viel Schnörkel: Typisch skandinavisch. | Bild: Jennifer Dypka
Naturstein als Blickfang ist ein Markenzeichen des skandinavischen Einrichtungsstils. | Bild: Jennifer Dypka
Holz, Holz, Holz. Deutsche kriegen einfach nicht genug davon. | Bild: Jennifer Dypka
Romantik darf in Frankreich nicht fehlen. | Bild: Jennifer Dypka
Es darf auch gerne etwas dunkler sein, ohne dabei erdrückend zu wirken. | Bild: Jennifer Dypka
Das skandinavische Design setzt auf klare Linien und keine Schnörkel. | Bild: Jennifer Dypka