Einem Tätowierer über die Schulter schauen. | Bild: Antonia Muszi

edit.Puls Tattoo Künstler
Ein neues Leben mit etwas Tinte

Einem Tätowierer über die Schulter schauen. | Bild: Antonia Muszi

31 Jan 2018

„Ich wollte eigentlich Computertechniker werden!“ Dieses Zitat könnte von Neil Armstrong oder Steve Jobs stammen. An einen Künstler, der Tommy Lee in einem Flugzeug tätowiert hat, denkt man nicht.

Mario Barth ist seit 30 Jahren in der Tattoo-Branche tätig und das mit großem Erfolg. In den USA hat er seine ersten Studios eröffnet. Für sein neuestes Studio ging es allerdings zurück in die Stadt seiner Karriereanfänge: Graz. Dort kann man sich mit einer Wartezeit von zwölf Monaten von dem Star-Tätowierer persönlich stechen lassen.

Ein Tattoo von Tommy Lee

Mario Barth hat seine Haut auch mehr als einmal verschönert. Sein Körper ist von Tattoos übersät. Ob man sich denn selbst tätowieren kann? Überraschenderweise bejaht das der Star-Tätowierer. Er müsse schließlich üben, warum also nicht an sich selbst. Meistens ließe er sich aber von Menschen, die ihm viel bedeuten, tätowieren auch wenn das ihr erster Tattoo-Versuch ist. „Ich habe eine Tätowierung von Avril Lavigne, von Tommy Lee, von Vanilla Ice und von meinem Neffen.“ Normalerweise verewigt sich der Tattoo-Künstler selbst auf anderen berühmten Persönlichkeiten. Einen Unterschied macht Mario zwischen den Kunden aber nicht. Es spiele für ihn keine Rolle, wer es ist. „Wenn sie im Sessel sitzen, sind alle gleich. Dann ist es ganz egal, ob das eine Berühmtheit ist oder der Nachbar vom 5er-Haus.“ Das Wichtigste sei, dass die Tätowierung am Ende super aussieht. Mario macht seit einigen Jahren auch weniger herkömmliche Tattoos: Er tätowiert neue Brustwarzen.

Brustwarzen mit der etwas „anderen“ Nadel nachbilden

In Baden-Württemberg ist Brustkrebs mit über 20 Prozent die häufigste Krebsneuerkrankung bei Frauen. Seit einigen Jahren gibt Mario Barth an Brustkrebs erkrankten Frauen innerhalb einer Stunde ein Brustwarzen-Tattoo und damit ein neues, selbstbewussteres Leben. Der Star-Tätowierer wollte als Kind eigentlich Computertechniker werden. Seine Oma arbeitete bei Siemens und sie reparierten gemeinsam öfters Fernseher. Heute „repariert“ er stattdessen in Kooperation mit der Chirurgie in Graz die Brustwarzen von Frauen. Der Brustwarzenhof wird nach einer Brustwiederherstellung neu geformt und von Mario mit der Tattoo-Nadel an die andere Brustwarze angepasst. Auf die Frage, wie es sich denn anfühlt, den Damen auf diese Art zu helfen, sagt Mario: „Es ist eine super Bezahlung!“ Das hat allerdings nichts mit dem Finanziellen zu tun, denn der Star-Tätowierer macht diese medizinischen Tattoos umsonst.

Wie entstand die Idee dahinter?

In Amerika hat Mario Barth bereits rund 6.000 Frauen neue Brustwarzen tätowiert denn dort haben die medizinischen Tattoos angefangen. Er habe schon einige Brustwarzen gesehen, die von Ärzten wieder hergestellt worden waren, doch er war überzeugt, dass es eine bessere Alternative gäbe. Ärzte haben das Fachwissen, aber nicht die praktische Erfahrung eines Tätowierers. So war die perfekte Partnerschaft entstanden. Mit dem Grazer Chirurgen Thomas Rappel hat Mario Barth angefangen Brustwarzen zu rekonstruieren und die Technik auch weiterentwickelt.

„So weit wie ich etwas verändern kann für die Zukunft, für die Gesundheit, für Menschen, werde ich täglich daran arbeiten.“ – Mario Barth
Mario Barth sagt dem Brustkrebs den Kampf an. | Bild: Mario Barth Tattoo

Der doppelte Mario

Viele Leute denken bei dem Namen Mario Barth als erstes an den deutschen Komiker und nicht den Tätowierer aus dem Nachbarland. Die Zwei seien allerdings sehr gute Freunde und Tattoo-Mario habe Komiker-Mario auch tätowiert. Die Marios wurden schon einmal verwechselt, als sie zur gleichen Zeit in das Beverly Hills Hotel in L.A. eingecheckt haben. Ihre Autos wurden vertauscht und der Comedy Mario Barth checkte in das falsche Zimmer ein. „Es war ein Desaster in Amerika. Wie in einer schönen Verwechslungskomödie!“