Der Einkaufswert dieses Wagens wäre in der Schweiz vermutlich doppelt so hoch. | Bild: Emily Hoche, Vera Dreusicke, Esther Asshoff

edit.Puls Einkaufstourismus in Konstanz
Da wohnen, wo andere einkaufen

Der Einkaufswert dieses Wagens wäre in der Schweiz vermutlich doppelt so hoch. | Bild: Emily Hoche, Vera Dreusicke, Esther Asshoff

28 Jan 2018

Eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen ist der Bodensee. Nicht nur der Tourismus, sondern auch die Wirtschaft blüht hier. Besonders in Konstanz freuen sich die Geschäfte an dem Boom, der seit einigen Jahren herrscht. Dass die Einkaufsstraßen der Stadt samstags so überfüllt sind, ist mittlerweile Normalzustand. Ein Grund für die Konstanzer, sich nicht mehr vor die Tür zu trauen.

Die deutsche Stadt liegt nur wenige Minuten von der Schweizer Grenze entfernt − und das machen sich die Nachbarn der Konstanzer gerne zu Nutzen. Den heimischen Handel in der Schweiz zu unterstützen, wollen sich nicht alle leisten. Besonders weil der Euro gegenüber dem Schweizer Franken sehr schwach ist, liegen die deutschen Preise in fast allen Branchen unter denen in der Schweiz. Von Babybrei bis hin zu Weihnachtsbäumen: hier wird alles eingekauft.

„Nirgendwo am Bodensee ist die historische Innenstadt so eng mit dem Handel verknüpft wie in Konstanz.“ – COMFORT-Städtereport Konstanz, 2010

Da der Weg über die Grenze so kurz ist, lohnt es sich für die Schweizer bereits für kleinere Einkäufe nach Konstanz zu fahren. Die Drogeriemarktkette dm ist in Konstanz bereits mit fünf Filialen vertreten. Da diese aber dem Konsumverhalten der Nachbarn nicht hinterherkommen, werden Räumlichkeiten angepasst und weitere zwei Filialen sind in Planung. dm-Gebietsverantwortliche Daniela Hübner: „Aufgrund der allgemein sehr hohen Nachfrage in unserem Markt im Lago-Center sind wir daher im Mai 2017 innerhalb des Centers in größere Räumlichkeiten umgezogen.“

Ein attraktives Ziel für die Besucher aus der Schweiz ist das LAGO Shopping-Center, weshalb sich hier die umsatzstärksten Quadratmeter Deutschlands finden. So waren 2016 rund 44 Prozent der Besucher Schweizer. Laut Hübner sei die Beliebtheit von Markenprodukten sehr auffällig. Die folgende Bilderstrecke zeigt die enormen Preisunterschiede.

Währungsumrechnung am 14.01.2018 | Bild: Emily Hoche, Vera Dreusicke, Esther Asshoff
Währungsumrechnung am 14.01.2018 | Bild: Emily Hoche, Vera Dreusicke, Esther Asshoff
Währungsumrechnung am 14.01.2018 | Bild: Emily Hoche, Vera Dreusicke, Esther Asshoff
Währungsumrechnung am 14.01.2018 | Bild: Emily Hoche, Vera Dreusicke, Esther Asshoff
Währungsumrechnung am 14.01.2018 | Bild: Emily Hoche, Vera Dreusicke, Esther Asshoff
Währungsumrechnung am 14.01.2018 | Bild: Emily Hoche, Vera Dreusicke, Esther Asshoff

Einkaufstourismus auf Rekordniveau

Schätzungen zufolge geben die Nachbarn jährlich zehn Milliarden Franken im Ausland aus, fünf Milliarden davon in Deutschland. Bis zu 50 Prozent des Umsatzes im Konstanzer Einzelhandel kommen aus der Schweiz. Zusätzlich zu den ohnehin schon sehr günstigen Preisen haben Schweizer Kunden die Möglichkeit, durch den Ausfuhrschein zu sparen. Dieser ist beim Einkauf in Konstanz in fast allen Geschäften erhältlich. Bei Ausfuhr der Waren wird er dem deutschen Zoll vorgelegt und bestätigt die Ausfuhr in die Schweiz mit einem Stempel. 2015 lag die Zahl der an der Grenze abgefertigten Formulare bei 17,6 Millionen. Dabei unterliegt der Warenwert anders als in Frankreich oder Österreich keiner Mindestgrenze. Beim nächsten Einkauf in Konstanz kann die Mehrwertsteuer mit dem abgestempelten Ausfuhrschein im jeweiligen Geschäft erstattet werden. Da diese Vorgänge in den Geschäften zeitaufwändig sind, sorgt dies oft für lange Schlangen und Wartezeiten. „Ein enormer bürokratischer Aufwand, der dringend einer modernen und schnelleren elektronischen Variante bedarf“, meint Uwe Böhm von der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee.

Viele Autos, keine Parkplätze

Die rund 3000 Parkplätze in der Innenstadt reichen den Einkaufstouristen nicht aus, die Parkhäuser sind rund um die Uhr besetzt. Oft versuchen die Gäste diese Situation zu umgehen und parken auf Privatparkplätzen oder im Halteverbot. Das drohende Strafgeld ist in Konstanz immer noch günstiger als ein Tagesticket im Parkhaus.

Aber nicht nur die Schweizer sorgen für einen regen Grenzaustausch. Seitdem die Schweiz 2007 dem Schengener Abkommen beigetreten ist, ist die Grenzüberschreitung so leicht wie noch nie. Dies machen sich auch die Deutschen zu nutzen, um in der Schweiz mehr Geld zu verdienen. Ein Zustand, über den sich die Schweizer genauso ärgern, wie der ein oder andere Konstanzer über den Einkaufstourismus. Der Austausch zwischen den beiden Ländern ist und bleibt ein Geben und Nehmen, das Vor- und Nachteile mit sich bringt.

Über die Meinungen der Konstanzer und Schweizer zur Situation erfahrt ihr im Video.

Straßenumfrage zum Schweizer Einkaufstourismus in Konstanz.